Ein Rückblick und Fazit: Das war die Versicherungsbranche auf Google+

Gestern, am 2. April 2019, wurde die Geisterstadt Google+ für immer geschlossen. Damit ist es Zeit, sich ein letztes Mal mit der Plattform und den dort aktiven Versicherern zu befassen. Denn auch wenn As im Ärmel schon seit Januar 2016 keine Google+ Rankings mehr veröffentlicht hat, bedeutet es nicht, dass ich bzw. wir auch die Analyse beendet haben. Im folgenden Artikel erfahren Sie nicht nur wie sich die Versicherungsbranche über sechs Jahre auf der Plattform entwickelt hat, sondern auch wie das letzte Ranking der Assekuranz auf Google+ aussieht und was das Ende des Dienstes erneut unterstreicht.

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Die Assekuranz auf Google+

Vorab kurz zur Geschichte von Google+

Google+ war seit dem 28. Juni 2011 erreichbar. In einer frühen Phase war das Registrieren nur auf Einladung durch einen vorhandenen Benutzer möglich. Seit dem 20. September 2011 kann man sich auch ohne Einladung bei dem sozialen Netzwerk registrieren. Zu Beginn lag das Mindestalter bei 18 Jahren, welches ab dem 27. Januar 2012 auf 13 Jahre gesenkt wurde.

88 Tage nach der Veröffentlichung zählte Google+ 40 Millionen registrierte Anwender. Somit war es das am schnellsten wachsende soziale Netzwerk der Geschichte. Zum Vergleich: Facebook erreichte die gleiche Anzahl an Benutzern nach 1325 Tagen. Am 7. März 2012 wurde bekannt, dass das Netzwerk die Marke von 100 Millionen regelmäßigen Nutzern überschritten habe. Im April 2012 wurde das Design überarbeitet, zu diesem Zeitpunkt waren 170 Millionen Benutzer registriert, im Juni 250 Millionen. Zum Jahresende 2012 wurde die Nutzerzahl von Google selber mit 500 Millionen beziffert, davon seien 135 Millionen aktiv.2013 erklärte Google, dass 190 Millionen aktive Nutzer bei Google+ seien.

Nachdem der Projektleiter Vic Gundotra den Konzern verlassen hatte, wurden etwa 1000 Entwickler bei anderen Produkten eingesetzt. Die Integration von Google+ mit anderen Google-Diensten wurde nicht weitergeführt.

Am 8. Oktober 2018 wurde bekannt, dass mehr als 500.000 Nutzerkonten von Google+ seit Jahren von Datendiebstahl bedroht waren. Da App-Entwickler deren persönliche Daten auslesen konnten, wurde die Schließung von Google+ in der für Endkunden offenen Version beschlossen. Aufgrund einer weiteren im Dezember 2018 bekannt gewordenen Datenpanne, bei der Profildaten von 52,5 Millionen Nutzern hätten ausgelesen werden können, wurde Google Plus am 2. April 2019 eingestellt. (Quelle: Wikipedia)

Mit As im Ärmel haben wir seit Januar 2013 kontinuierlich die Geschicke der Assekuranz auf Google+ beobachtet. Denn immerhin war es damals das zweitgrößte Netzwerk der Welt und hatte den Anspruch Facebook Konkurrenz zu machen.

Von den 210 untersuchten deutschsprachigen Versicherern waren in der Hochphase der Plattform 116 mit einem (scheinbar) offiziellen Account auf Google+ vertreten, was einen Anteil von 54,29 % machte. Hierzu muss allerdings erwähnt werden, dass darunter auch einige Versicherer mit Personen- und nicht Unternehmensprofilen agierten. Womit man, ganz ähnlich wie mit Privatprofilen bei Facebook nur bedingt auf Google+ agieren konnte. Was aber zugleich ein Zeichen dafür war, wie ernsthaft die Versicherer auf Google+ kommunizierten.

Allgemein kann man zu den Google+Seiten der Assekuranz sagen, dass sie zu mehr als 80 % professionell eingerichtet waren. Was bedeutet, dass sie über Titelbilder, Profilbilder, Unternehmensbeschreibungen und Links zur eigenen Website verfügen. Ebenso verwiesen knapp 3/4 aller Versicherer mit einem Google+ Profil von der Website auf die Google+ – Unternehmenspräsenz.

Auch wenn 80 % ihre Google+ Seite professionell einrichteten, muss doch auch festgestellt werden, dass Versicherer das Soziale Netzwerk eher stiefmütterlich behandelten und all die Jahre primär als zusätzlichen Ausspielkanal für ihre Inhalte verwendete, aber nur wenige ein tatsächliches community building / community management betrieben. Eine herausragende Ausnahme stellte hierbei die R+V mit ihrer G+ Kampagne „Teddys suchen ein Zuhause“ dar.

Entwicklung der Versicherungsbranche auf Google+

Wie Sie im folgenden Diagramm sehen können, stieg die Reichweite der Assekuranz am Anfang auch rapide an. Was Sie dabei nicht sehen ist, dass die Reichweite und die Steigerung nahezu ausschließlich im Zusammenhang mit drei Gesellschaften stehen. Das sind die R+V, ERGO Direkt und Die Techniker. Der Grund für den Reichweiteneinbruch 2018 ist dementsprechend auch darauf zurückzuführen, dass die ERGO Direkt ihr Profil vorzeitig abschaltete und somit der Gesamtreichweite der Assekuranz über 10.000 Abonnenten „verloren gingen“.

Was das Diagramm hingegen sehr deutlich zeigt, ist die Stagnation der Entwicklung seit Sommer 2014. Im Prinzip blieb die Reichweite ab dem Zeitpunkt relativ konstant bei ca. 57.000 Abonnenten. Die meisten Abonnenten hatte die Versicherungsbranche am 1. Juli 2016. Da waren es 57.921. Zum Vergleich: Aktuell hat die Assekuranz auf Facebook fast 5 Millionen Fans, auf YouTube über 280.000 Abonnenten, auf Twitter über 280.000 Follower und auf Instagram über 200.000 Abonnenten. (alles verlinken)

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Die Techniker hat(te) mit Abstand die meisten Abonnenten auf Google+

Die größte Reichweite einer einzelnen Gesellschaft hatte die Techniker im Juli 2014 mit 27.263 Abonnenten ihrer Google+ Seite. Seitdem sank die Zahl kontinuierlich. Am Ende waren es nur noch 25.607. Auch hier der Vergleich. Am 1. April 2019 erreicht die Krankenkasse auf Facebook 292.531 Fans, YouTube 68.682 Abonnenten, Twitter 24.799 Follower und auf Instagram 28.228 Abonnenten.

Nur vier der über 100 Versicherungsgesellschaften auf Google+ verabschieden sich von ihrer Community

Neben der allgemein sinkenden Reichweite und der Stagnation bzw. zunehmend fallenden Abonnentenzahlen, verzeichneten die Versicherer außerdem sehr geringe Interaktionszahlen auf Google+. Die Likes, welche hier +1 heißen, lagen selten im zweistelligen Bereich und nur vereinzelt erzielten die Versicherungsbeiträge Kommentare. Wie irrelevant Google+ in der Kommunikation der Assekuranz ist, zeigt sich am besten bei den letzten Postings der Versicherer und den damit erzielten Reaktionen.

Hierbei ist anzumerken, dass (der Recherche von As im Ärmel nach) mit der Mobiliar, Gothaer, Techniker und R+V letztendlich nur vier Gesellschaften sich von ihrer Google+ Community offiziell verabschiedeten. Alle anderen schalteten ihre Unternehmensseiten entweder einfach ab oder bedienten den Kanal bis zum Ende weiterhin mit automatisierten Postings. Was zeigt, dass die Plattform für die Unternehmenskommunikation am Ende keine relevante Rolle mehr spielte. Sofern man überhaupt mal hiervon sprechen konnte.

Fazit: Was das Ende von Google+ erneut unterstreicht

Was am Ende bleibt und wahrscheinlich der größte Beitrag von Google+ zum Social Media Marketing war, ist die Feststellung, dass man sich nie von einer Plattform abhängig machen darf. Eine eigene und gut funktionierende Webseite ist nicht nur „nice to have“, sondern weiterhin das wichtigste Element für eine langfristige, erfolgreiche Onlinestrategie.

Selbst wenn das eigene Geschäftsmodell bzw. die eigene Kommunikationsstrategie auf einer Plattform perfekt funktioniert und man eine hochaktive Community hat, muss man stets nach Unabhängigkeit streben. Stets muss im Hinterkopf die Frage beantwortet werden können: Was mache ich, wenn Netzwerk X oder Plattform Y ab morgen nicht mehr funktioniert?

Hierfür muss die Plattform nicht einmal endgültig geschlossen werden, wie im Fall von Google+. Es reicht auch eine veränderte Gesetzeslage, welche Anbieter dazu bewegen könnte den europäischen Markt von der Plattform auszuschließen. Dass dies kein unrealistisches Szenario ist, zeigen aktuelle Gedankenspiele von Twitch (dem weltweit größte Streamingdienst für Computerspiele) EU-Nutzer aufgrund der neuen Urheberrechtslinie (Stichwort: Artikel 13) auszuschließen.

Was machen Sie, wenn morgen die Social Media Plattform geschlossen wird, welche Ihnen die meisten Zugriffe beschert? Wie abhängig sind Sie von diesem Dienst? Wie ist Ihr Plan B? Falls Sie keine Antworten darauf haben, aber gerne welche möchten, dann denken Sie immer daran: Sie haben ein As im Ärmel!

Jahresreport 2018: Die Aktivitäten der Assekuranz im #Neuland 2018

Falls Sie einen Überblick möchten, wo Versicherungen und Krankenkassen überall aktiv sind, dann kann ich Ihnen den Jahresreport 2018 empfehlen. In ihm erfahren Sie alles was Sie über die Aktivitäten der Assekuranz im #Neuland 2018 wissen müssen. Zahlen, Daten, Fakten, Best Practice Beispiele und ein Füllhorn an Inspiration. Alles auf einen Blick. Alles in einem Report.

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Posted on 3. April 2019 in Google, Google+, R+V, Social Media

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About the Author

MarKo Petersohn ist seit 2012 das As im Ärmel der Assekuranz im #Neuland. Er schult und berät Versicherer und Vermittler für erfolgreiche Kommunikation in den neuen Medien. Außerdem ist er Veranstalter des OMGV-Bootcamp und der NextLevel-Konferenz. Er ist Mitbegründer der Onlinemarketinggesellschaft für Versicherungsvermittler (OMGV) und Initiator des OMGV Award, welcher seit 2018 auf der DKM verliehen wird. Zusätzlich ist er als Autor und Keynote-Speaker tätig, Dozent im Auftrag des Bildungsministeriums NRW und des BWV Bildungsverband für „Digitale Kommunikation bei Versicherern“ und besitzt einen Lehrauftrag an der Kölner Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft zum Thema „Medienwissenschaften und Kommunikation“.

Response (1)

  1. […] SEO-Zwecken. In der Versicherungswelt stellte unser Kunde, die R+V Versicherung, eine Ausnahme dar, so heißt es bei As im Ärmel. Wir  von d.Tales haben in der Anfangsphase von Google+ dort auf echtes Community Building […]

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