Warum muss sich die Versicherungsbranche bei ihrer Kommunikation an einer schottischen Death-Metal-Band orientieren?

2. Oktober 2018 | 5 Minuten Lesezeit

Wie stehen Sie persönlich zu Stockfotos und Death Metal? Ich vermute, das eine werden Sie als (manchmal) sinnvoll und das andere als „Krach“ ansehen. Vielleicht sind Sie auch Fan von dem Genre und werden entschieden zurückweisen, dass Death Metal Krach ist. Das weiß ich nicht. Aber was ich weiß, das ist, dass Sie sich sicherlich über die Verbindung der beiden Themen wundern und fragen werden, was das mit Versicherungskommunikation im #Neuland zu tun hat? Die kurze Antwort ist: Sehr viel!

Stockfotos und der visuelle Zeitgeist

Wie die meisten anderen Branchen, so setzen auch Versicherer in ihrer Kommunikation häufig auf Stockfotos und nutzen dabei insbesondere die, welche dem aktuellen optischen Zeitgeist entsprechen. Was legitim und absolut nachvollziehbar ist, denn wir alle sind Kinder unserer Zeit und ihren Moden unterworfen. So zeigte zum Beispiel die Analyse der Content-Strategien zur WM 2018, dass eine Vielzahl an Versicherungen und Krankenkassen zwei Testimonials ganz besonders mochten. Und es ist davon auszugehen, dass die Assekuranz nicht die einzige Branche sein wird, welche die beiden als ideale Bildmotive für die WM erachtet haben.

Ebenso ist der Bokeh-Effekt seit Jahren branchenübergreifend äußerst en vogue. Die Bezeichnung „Bokeh“ stammt aus Japan und bedeutet soviel wie „verschwommen, unscharf“. Dementsprechend zeichnen sich entsprechende Bilder dadurch aus, dass der Hintergrund unscharf erscheint bzw. mit einem Weichzeichner entsprechend bearbeitet wurde. Zusätzlich setzen Versicherer seit beinahe einem Jahrzehnt bei ihren Werbematerialien in großem Maße auf helle Fotos (gern in Pastelltönen) und eher seltener auf kräftige Farben. Ein Grund dabei ist, dass so das eigene Logo und Texte im CI-konformen Farbwerten besser wirken können.

Dies lässt sich in allen analogen Werbematerialien, auf Webseiten und auch in der Social Media Kommunikation erkennen. Nur bei letzterem entsteht ein Problem, welches man jedoch nur erkennt, wenn man einen Schritt zurücktritt und den eigenen Gestaltungstunnel verlässt. Denn während man bisher stets darauf achtete ob Bilder bzw. Grafiken zum jeweiligen Text passen, kommt im #Neuland eine weitere und viel entscheidendere Ebene hinzu. Denn Bilder und Grafiken passen auch hier (zumeist) zum jeweiligen Posting bzw. Artikel. Das Problem ist allerdings, dass man diese nicht losgelöst von der Funktionsprinzipien des Social Web betrachten kann.

Der Death-Metal-Effekt in der Ökonomie der Aufmerksamkeit

Die Ökonomie der Aufmerksamkeit ist zwar ein allgegenwärtiges Prinzip, allerdings wirkt sie im Newsfeed des Social Web wie unter einem Brennglas. Um eine Ahnung zu vermitteln, was hiermit gemeint ist, bietet sich ein Gleichnis mit Death-Metal-Bands auf einem Festivalplakat an. Denn ihre Logos folgen im Prinzip alle einem Gestaltungsmuster, welches für eine Band aus diesem Genre auch als passend wahrgenommen wird. Und ebenso passend wirkt es sowohl im Band-Fan-Mikrokosmos, als auch auf Merchandisingprodukten wie bspw. Bandshirts. Problematisch wird es allerdings, wenn diese Bandlogos auf einem Festivalplakat nebeneinander aufgeführt werden. Denn dann wirken sie in ihrer Gesamtheit nicht nur in einer gewissen Weise klischeehaft, sondern für Außenstehende nahezu identisch und austauschbar.

Die meisten von Ihnen werden mit Death Metal wahrscheinlich wenig anfangen können, aber trotzdem dürfte eine Band auf diesem Plakat ihr Interesse erregen. Und das ist „Party Cannon“. Musikalisch und somit inhaltlich fügen sie sich nahtlos in das Festival-LineUp ein. Visuell haben sie jedoch ganz bewusst mit dem allgemein bekannten und akzeptierten Designkonzept gebrochen. Und das mit Erfolg wie wir wortwörtlich sehen.

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Ganz ähnlich verhält es sich mit Stockfotos und visuellen Trends in der professionellen Kommunikation im #Neuland. Auch hier befinden sich Unternehmen in einem Mikrokosmos und kreieren Beiträge, die inhaltlich zur eigenen Branche und visuell zum Zeitgeist passen. Nur wird dabei nicht bedacht, dass man im Newsfeed um Aufmerksamkeit kämpft und ein Großteil der anderen Marktteilnehmer das gleiche Grafikkonzept verfolgt. So wirken die eigenen Beiträge austauschbar und beliebig, was letzten Endes zu einem gewissen Anteil auch auf die eigene Marke abfärbt.

Fazit

Nie war Corporate Design so wichtig wie heute! Es reicht im #Neuland nicht mehr Bildmotive auszuwählen, welche zum Inhalt und im Idealfall zum visuellen Zeitgeist passen. Mehr denn je muss eine eigene Bildwelt geschaffen und auf allen Kanälen kommunizieren werden. Das bedeutet zum einen, verzichten Sie soweit wie möglich auf Stockfotos. Zum anderen sollten Sie zwar immer den visuellen Zeitgeist im Auge behalten, aber ihn nicht bedingungslos bedienen. Nutzen Sie ihn für sich. Brechen Sie ihn bewusst. Oder kurz und knapp: Werden Sie Party Cannon im Newsfeed!

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MarKo Petersohn

Mehr als 20 Jahre Erfahrung im Onlinemarketing und seit 2010 ausschließlich für die Assekuranz aktiv. Ich helfe Gesellschaften und Vermittlern sich zukunftssicher aufzustellen. Ich berate sie beim Thema „digitaler Kommunikation“ und schule die dafür notwendigen digitalen Kompetenzen.

Außerdem bin ich Mitgründer der Onlinemarketing Gesellschaft für Versicherungsvermittler, verleihe jährlich den renommierten OMGV Award und bin verantwortlich für das Projekt „Digitale Kommunikation, Multikanalfähigkeit und Kollaboration in der Versicherungsbranche“ im Auftrag des Bildungsministeriums NRW und des BWV Bildungsverbandes.

Ich bin das As im Ärmel der Versicherungsbranche, wenn es um die Kommunikation in der neuen Medienrealität geht. Ich bin Ihr As im Ärmel.

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