Die 12 Social-Media-Trends & Prognosen für dieses Jahr und was diese für die Versicherungsbranche bedeuten

2. März 2022 | 6 Minuten Lesezeit

Welche Social-Media-Trends und -Prognosen kündigen sich nicht nur an, sondern sind gekommen, um zu bleiben? Was bedeuten diese für die Versicherungsbranche und worauf müssen Sie sich einstellen?

Vorwort: Warum thematisiere ich die Trends erst jetzt?

Sie fragen sich, warum ich die Grafik erst Anfang März thematisiere und nicht Ende Dezember, als sie veröffentlicht wurde? Die Antwort ist ganz einfach, aus aufmerksamkeitsökonomischen Gründen.

Denn überlegen Sie, wieviel Vorhersagen Sie Ende letzten Jahres gelesen haben? Das ist eine Zeit, wo Beiträge dieser Art traditionell veröffentlicht werden. Der Artikel wäre nur einer von vielen gewesen und die Wahrscheinlichkeit groß, dass er in der Masse der Trend-und-Prognose-Artikel untergegangen wäre. Das ist heute nicht der Fall. Heute bekommt er Ihre Aufmerksamkeit.

Ganz allgemein kann ich schon einmal festhalten, dass ich den 12 Trends & Prognosen auf dieser Infografik von creatopy voll und ganz zustimme. Jeder Punkt ist auf seine Art ganz allgemein richtig und wichtig. Allerdings sind sie nicht alle in gleichem Maße relevant für die Versicherungsbranche.

So ist Social Commerce zwar zweifellos ein unfassbarer Trend, mit dem bspw. der chinesische Influencer Lipstick Brother im vergangenen Jahr an einem Tag Waren im Wert von 2 Milliarden (!) US-Dollar verkaufte. Aber sofern Sie in der Vergangenheit nicht auf QVC, HSE24 oder anderen Shopping-Kanälen Versicherungen vertrieben haben, ist dieser Trend für Sie irrelevant.

Im Gegensatz zu den folgenden fünf Themen. Die Sie entweder unmittelbar betreffen oder Ihnen Chancen bieten. 

Cookie Removal – It´s the end of adverising as we know it

Mit Einführung der DSGVO (2018) müssen Webseiten ihre Nutzer vorab um Zustimmung für die Übertragung sogenannter Cookies fragen. Mit diesen werden Informationen über besuchte Webseiten gespeichert, wodurch vor allem Werbetreibende die Nutzer im Netz „verfolgen“ und ihnen die passende Werbung ausspielen können.

Nur 25 % der Nutzer stimmt den Cookies zu. Was schon ein herber Schlag für die Werbende war. Im vergangenen Jahr hat Apple „dieses Problem“ noch verschärft. Denn für die Apps von Social-Media-Plattformen waren Cookie-Banner auf Webseiten egal, da sie das Nutzerverhalten in der eigenen App trackten und diese Daten an Werbetreibende verkauften.

Mit der Einführung von iOS14 müssen Nutzer nun allerdings explizit dem Datentracking in Apps zustimmen. Was nach ersten Studien nur 4 % der Nutzer machen. Google hat angekündigt dem Beispiel von Apple zu folgen und damit stehen wir vor einer fundamentalen Zeitenwende in der Werbewirtschaft. Denn wenn Targeting in Zukunft ausscheidet, wie erreiche ich dann meiner Werbung meine Zielgruppe? Sie müssen sich neue Wege dafür überlegen. Einer wäre bspw. Kontextualisierte Werbung.

Short-form Videos: TikToks, Reels, Shorts – Kurzvideos dominieren Social Media

TikTok ist nicht zuletzt wegen seiner Kurzvideos die Plattform der Stunde. Wobei das für die Versicherungsbranche aktuell noch nicht gilt. Hier sind derzeit (noch) andere Plattformen wichtiger. TikTok wird erste Mitte des Jahrzehnts ein relevanter Kanal werden.

Aber Kurzvideos, wie sie von TikTok populär gemacht wurden, sind schon heute hochrelevant. Am besten auch in Hochkant. Sie sind kurz, knackig, unterhaltsam und ziehen die Aufmerksamkeit der Nutzer auf sich. Nicht umsonst forciert Instagram sein Reels-Format oder hat YouTube das Shorts-Format gelauncht.

Für Sie bzw. Ihre Social-Media-Kommunikation bedeutet es, dass Sie über kurz oder lang nicht umhinkommen werden kurze, pointierte Videos zu produzieren, welche Ihre Themen transportieren. Wenn Sie glauben, dass dies bei Versicherungsthemen nicht geht, dann schauen Sie sich bspw. den TikTok-Kanal @versicherungenmitkopf an und Sie werden eines Besseren belehrt. 

@versicherungenmitkopf 🛵⚠️ Informiert alle Roller- & Mofa-Fahrer! #roller #mofa #märz ♬ Monkeyshine-JP – Lt FitzGibbons Men

Bite-sized content: In der Kürze liegt die Würze

Nicht nur beim Videoformat, sondern in allen Medien zeigt sich, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Nutzer immer stärker sinkt. Das kann man betrauern oder beklagen, aber es ändert nichts daran, dass man auf allen Kanälen kurze und leicht verständliche Inhalte dominieren. Man spricht hier seit einigen Jahren schon von „Snackable Content“. Etwas, was Sie auch lernen müssen zu produzieren.

Ich weiß, wie schwer es ist, sich kurzzufassen. Sie sehen es nicht nur am heutigen Branchenbrief, wo ich versuche in kurze „Content-Happen“ die fünf wichtigen Trends zu erklären.

Gleiches gilt auch für das „Versicherungsfunk Update“. Welches ich seit Mitte Januar gemeinsam mit dem Versicherungsboten produziere. Für die täglichen Nachrichten aus der Versicherungsbranche haben wir uns auch aus Snackable-Content-Gründen für ein 3 Minuten-Format entschieden..

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Facebook ist und bleibt (erstmal) die dominante Social Media-Plattform – unterschätzen Sie es nicht!

Facebook ist tot… Das erste Mal wurde das Netzwerk schon 2007 totgesagt und seitdem immer wieder.

Ja, Facebook hat laut den aktuellen Studien erstmals im letzten Quartal Nutzer verloren. Nur wir reden hier von 1 Million Nutzer und nun können Sie auf Facebook also nur noch 1,92 statt 1,93 Milliarden (!) erreichen.

Ich will es nicht klein reden. Ja, Facebook ist bei der jungen Zielgruppe (wir reden hier von den U30-jährigen) nicht mehr die erste Adresse. Aber zum einen glaube ich, dass Sie Personen die 30 und älter, als Kunden sicherlich nicht ablehnen würden. Und zum anderen erreichen Sie auch noch 1/3 der U30-jährigen auf Facebook.

Ich kann Ihnen nur empfehlen Facebook nicht zu unterschätzen. Es liegt meiner Erfahrung selten an Facebook, wenn man keine Reichweite erzielt. Sondern häufig eher daran, dass die eigenen Inhalte für die Zielgruppe nicht interessant genug sind und im Newsfeed einfach untergehen.

Denn dass man auch mit Fanseiten große organische Reichweiten erzielen kann, steht außer Frage. Wenn Sie das nicht glauben können, dann hier einen aktuellen Einblick in die Insights einer meiner Fanseiten. Bei dieser haben ich nur etwas über 14.000 Fans und erreiche mit einem Posting organisch über eine Million. Nein, das schafft nicht jedes Posting. Aber es zeigt, dass Facebook auch 2022 noch immer nicht tot ist, sondern man hier auch immer noch organisch Millionen erreichen kann. Wenn man die richtigen Inhalte, zur richtigen Zeit, im richtigen Format veröffentlicht.

Ephemeral Content – Alles ist vergänglich und das ist auch gut so

„Ephemeral Content“ steht für Inhalte, welche nur für kurze Zeit verfügbar und somit zeitlich begrenzt sind. Das bekannteste Format aus dieser Content-Rubrik sind Instagram-Stories. Sie verschwinden automatisch nach 24 Stunden und „nötigen“ die Follower somit auch täglich die Inhalte zu konsumieren, da sie am nächsten Tag schon wieder verschwunden sind. Wir sprechen hier vom FOMO-Prinzip (Fear Of Missing Out) bei dem Menschen die Angst haben etwas zu verpassen und deswegen mehr involviert sind.

Ein zweiter Vorteil ist, das man als Unternehmen bei vergänglichem Inhalt viel mehr experimentieren kann. Man muss keinen perfekten Content anbieten, denn nach 24 Stunden ist er eh Vergangenheit. Ganz nebenbei kreiert dieses Unperfekte noch das, was heutzutage überall gesucht wird: Authentizität.

Der Social-Media-Grundkurs richtet sich an Versicherungsvermittler, die endlich im Social Web aktiv werden wollen. Und an Mitarbeiter und Auszubildende, die sich mit Social Media befassen wollen oder sollen.

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MarKo Petersohn

Mehr als 20 Jahre Erfahrung im Onlinemarketing und seit 2010 ausschließlich für die Assekuranz aktiv. Ich helfe Gesellschaften und Vermittlern sich zukunftssicher aufzustellen. Ich berate sie beim Thema „digitaler Kommunikation“ und schule die dafür notwendigen digitalen Kompetenzen.

Außerdem bin ich Mitgründer der Onlinemarketing Gesellschaft für Versicherungsvermittler, verleihe jährlich den renommierten OMGV Award und bin verantwortlich für das Projekt „Digitale Kommunikation, Multikanalfähigkeit und Kollaboration in der Versicherungsbranche“ im Auftrag des Bildungsministeriums NRW und des BWV Bildungsverbandes.

Ich bin das As im Ärmel der Versicherungsbranche, wenn es um die Kommunikation in der neuen Medienrealität geht. Ich bin Ihr As im Ärmel.

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